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Wie eigentlich relativ häufig in der Geschichte des Agfa Camerawerks, reagierten die Münchner Anfang der 1972 auf eine Neuerung die von Kodak vorgestellt wurde. Kodak präsentierte 1972 den ersten Pocketkassten – Film, Typ 110. Er folgte auf die bereits 1963 eingeführte Instamatic – Filmkassette, entsprach dieser größtenteils, nur in der Größe unterschieden sie sich. Während die Instamatic – Filmkassette 35mm Filme verarbeitete, entsprechen die Filme vom Typ 110 einer Größe von 16mm.

Agfa erkannte die Bedeutung dieser Halb-Innovation früh und reagierte 1974 mit der Agfamatic 2000 Pocket Sensor.

Unter dem damals eingängigen Werbeslogan „Ritsch-Ratsch-Klick“ vertrieb Agfa die kleine Kamera, die vor allem auf Grund dieses „Ritsch-Ratsch“-Systems berühmt wurde. Einfacher konnte das Fotografieren nun kaum noch werden. Über einen Schalter auf dem Boden der Kamera konnte eine Feder entriegelt werden, die die Kamera aufspringen ließ. Nun einmal zusammengeschoben und durch die Federkraft die Kamera wieder auseinanderdrücken lassen – so schnell war der Film transportiert und die Kamera auslösebereit. Dieses Prinzip beschrieb Agfa als „Repitomatic“.

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Einfach war auch die Ausstattung der 2000 Pocket. Abgesehen von einem Leuchtrahmensucher, bleibt ein kleiner Schalter zu erwähnen, der entweder das Piktogramm einer Sonne oder einer Wolke frei gab. So konnte die Belichtungszeit auf 1/50s oder 1/100s eingestellt werden. Um auch bei schlechten Lichtverhältnissen fotografieren zu können, hatte die Kamera auf der Oberseite einen Anschluss für, zunächst, X-Blitzwürfel verbaut. 1975 erschien mit dem Agfamatic Pocket Lux ein elektronisches Blitzgerät, das am Stativgewinde der Kamera, in welchem normalerweise eine sehr wertige Metallschlaufe befestigt ist, angeschraubt und über ein kleines Kabel an die Kamera angeschlossen wird. Dies sah durchaus gewöhnungsbedürftig aus.

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Das dreilinsige 26mm Agfa Color – Agnar Objekiv (f/1:9,5) arbeitete solide.

Nicht nur die Metallschlaufe macht einen hochwertigen Eindruck, die Agfamatic Pocket 2000 Sensor gibt generell ein sehr wertiges Bild ab, auch in der Haptik bleibt dieser Eindruck erhalten. Zu einem Großteil zeichnet dafür das Designstudio Schlagheck-Schultes verantwortlich. 1967 gegründet, entwarfen die Designer von da an alle Agfa Kameras, ihren größten Erfolg feierten sie jedoch mit der Pocket – Reihe.

Zum hochwertigen Gesamteindruck trägt auch der Sensor Auslöser bei. Prägnant in Orange und mit immerhin 16mm Durchmesser, gefasst in einen Chromring, fällt er immer ins Auge. Agfa wollte mit den Sensor – Auslösern, die eigentlich aus den größeren Optima – Kameras stammen, verwacklungsärmeres Auslösen ermöglichen. Zu diesem Zweck liegt die in ihren Eigenschaften bereits beschriebene Kunststoffscheibe über einem Hammer – Auslöser gespannt. So ist das Auslösen der Kamera mit nur wenig Druck durch den Finger des Fotografen möglich. Dies reduziert die Bewegungen der Hand und der Kamer und führt so tatsächlich zu spührbar weniger Verwacklungen.

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Als die Agfa Agfamatic 2000 Pocket Sensor 1974 auf den Markt kam, kostete sie 99DM – 105DM. Heute sind gebrauchte Modelle dieser Trend-Kamera der 70er für 10€ – 40€ zu kaufen. Wer mit dem Gedanken spielt eine solche Kamera heute noch zu benutzen muss sich jedoch auch mit den heute selten gewordenen 110er Filmen auseinandersetzen. 2009 wurde die Produktion der Pocket-Filmkassetten eingestellt. Glücklicherweise prdoduziert seit 2012 „Lompgraphy“ neue Filme diesen Formates. 24 Belichtungen kosten hier allerdings knapp 10€, zzgl. Versandkosten (Amazon).